Station I: Kūkai, genannt Kōbō Daishi

Wer sich mit der Pilgerfahrt zu den 88 Tempeln auf der Insel Shikoku auseinandersetzt, wird bald auf eine Gestalt stoßen, die sich überall wiederfindet: Als Statue am Wegesrand und in jedem Tempel, in Geschichten und Legenden, die entlang des Weges erzählt werden, selbst in der traditionellen Kleidung der Pilger_innen ist er präsent: Der Mönch Kūkai, genannt Kōbō Daishi – das bedeutet: Großer Lehrer Dharma-Verbreiter. Diesen posthumen Ehrentitel verdiente sich Kūkai durch vielerlei Leistungen: So erfand er das japanische Silben-Alphabet, war Dichter und enthüllte verborgen gelegene religöse Geheimnisse. Historisch belegt ist, dass der Mönch, 774 auf Shikoku geboren, im Jahre 804, nach Jahren als Wanderprediger und Eremit, nach China aufbrach und dort in einem Kloster mit einer esoterischen Strömung des Buddhismus in Berührung kam, die er nach seiner Heimkehr wenige Jahre später in Japan verbreitete und die bald als Shingon-Lehren, die Geheimen Lehren des Wahren Wortes, bekannt wurden. Er starb 835 im von ihm begründeten Kloster auf dem Kōyasan, einem Bergmassiv auf Shikoku, das schon damals zu den bedeutensten religiösen Stätten Japans gehörte. Heute wird der Kōbō Daishi, der nach seinem Tod in einen transzendenten Zustand gelangt sein soll, als ewiger Pilger verstanden und dargestellt – mit der traditionellen Kleidung: Weißes Gewand, Bambushut, Strohsandalen, Pilgerstab; ein Pilger, der jede_n Pilger_in auf Shikoku begleitet und beschützt: „dōgyō ninin“, Pilgern zu zweien, ist daher auch der Leitspruch dieser Wallfahrt.

(Photos – oben: Statue des Kōbō Daishi im Tempel Ōkubo-ji auf Shikoku, unten: Detail einer Hängerolle mit 88 Siegeln der Pilgerfahrt von Shikoku, im Zentrum: Der Kōbō Daishi – zu sehen in der Ausstellung.)


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