
Zahlen spielen im japanischen Buddhismus und entsprechend auch in den Pilgerfahrten eine große Rolle. Die Kukai gewidmete Pilgerfahrt auf Shikoku umfasst 88 Stationen – die Zahl acht ist in ostasiatischer Zahlenmystik positiv besetzt, symbolisiert Ganzheit und Glück. Auch die Anzahl der Tempel der drei beliebten Pilgerfahrten Saikoku, Bandō und Chichibu, die alle auf er japanischen Hauptinsel Honshū verlaufen, hat spirituelle Bedeutung.
In diesem Fall findet sich die Erklärung im Lotos-Sutra, einem Text, der wohl ins dritte Jahrhundert christlicher Zeitrechnung datiert werden kann. Darin findet sich eine Beschreibung der Manifestationen, der Erscheinungen des Bodhisattva Avalokiteshvara. Dessen Name bedeutet wörtlich im Sanskrit: Herr des Schauens, Weltbetrachter; er ist im buddhistischen Verständnis der mitfühlende Erlöser von allem Leiden, der selbst keine Gestalt besitzt und jedem Lebewesen in der Form erscheint, die diesem gegenüber zum Verständnis und Anerkennen der Erlösung und der durch ihn verkündeten Weltordnung angemessen und nötig ist. So kann der Bodhisattva als Buddha oder König genauso auftreten wie als nichtmenschliches oder menschliches Wesen, als Mann wie als Frau.
Insgesamt kann Avalokiteshvara 33 Formen annehmen – und dementsprechend umfassen die genannten Pilgerrouten 33 Tempel. Da Avalokiteshvara in Japan als Kanzeon oder Kannon bekannt und äußerst beliebt ist, heißen sie auch Kannon-Pilgerwege. Und damit die Gesamtzahl ihrer Stationen wiederum eine runde ist, wurde der kürzesten und jüngsten der drei Routen, der Chichibu, eine Station angehängt, so dass sie insgesamt 100 Tempel umfassen.
Photos – oben eine Karte des Saikoku-Pilgerwegs, unten ein Ausschnitt aus einer Tuschemalerei des Künstlers Okada Mokichi, die Kannon zeigt.
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